Das Nekromanteion nahe der antiken Stadt Ephyra ist für mich eines der beeindruckendsten Ziele auf dem griechischen Festland. Wer Homer gelesen hat, weiß um die mythische Bedeutung des Ortes. Es war dies einer der Eingänge zur Unterwelt. Laut Herodot schickte Periander, der Tyrann von Korinth, Gesandte hierher um im Orakel mit seiner verstorbenen Ehefrau Melissa Kontakt aufzunehmen – ja, auch Tyrannen haben manchmal romantische Gefühle.

Die sanften Hügel im Epirus machen die Anreise zum Genuss

Um es vorwegzunehmen, die heute sichtbaren Ausgrabungen stammen aus hellenistischer Zeit und können nicht das bei Homer beschriebene Orakel sein, darin sind sich die modernen „Spielverderber“ unter den Archäologen sicher. Aber sie können auch nicht beweisen, dass es nicht der Ort sei. Es gibt ältere Funde in tieferen Schichten, welche durchaus die Vermutung nahelegen, dass der griechische Archäologe Sotirios Dakaris mit der Interpretation seiner Grabungen im Jahr 1958 Recht hatte – immerhin fand er eine Statuette der Persephone …

Ruinen aus hellenistischer Zeit überdauerten die Jahrhunderte
Die im 18. Jahrhundert erbaute Kirche Johannes des Täufers thront über den antiken Ruinen, die Götter wechselten, der Ort blieb heilig

Auf jeden Fall ist das Nekromanteion ein echter Geheimtipp: zu günstiger Stunde wird man von Touristen kaum gestört. Die Landschaft ist biblisch und die ganze Anlage hat für griechische archäologische Stätten viel zu bieten. Und mit ein wenig Glück kann man ganz alleine hinab steigen in den Untergrund und findet sich nach Durchquerung des Labyrinths vor einer Felsspalte. In historischer Zeit verwendeten die Priester fackelnde Laternen, welche den Anschein erweckten, als würde die Spalte sich bewegen, als würde sie sich öffnen und die Mächte der Unterwelt würden sich zeigen. Ich bin nicht abergläubisch und auch sonst wenig anfällig für Glaubensdinge, aber nach einigen einsamen Minuten an diesem magischen Ort stellt sich ein eigenartiges Gefühl ein. Ist es doch der Eingang? Werde ich auf Hades treffen? Ist Odysseus zurückgekehrt? Habe ich eine goldene Münze für Charon einstecken?

Hinter der Spalte verbirgt sich vielleicht Persephone, die Tochter der Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit

Wie auch immer, für mich war es eine Art Nekyia. Ob ich auf die schöne Persephone traf? Das bleibt mein Geheimnis. Wer mit der Fähre in Igoumenitsa landet, auf dem Weg zu den wunderschönen Badeorten rund um das Provinzstädtchen Preveza oder auf Lefkada ist, sollte den Abstecher wagen – Goldmünze nicht vergessen!

Auch in jüngster Zeit wird fleissig weiter geforscht…
Labte schon Odysseus sich an diesem Wein?
In den Olivenbäumen das „Gesäge“ der Zikaden…
Nimm Dir Zeit, in die Vergangenheit einzutauchen…

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