Bevor man sich mit Olympia beschäftigt – was im Jahr der Absage der Olympischen Spiele (das erste Mal in Friedenszeiten) mehr als notwendig ist – muss ein Moment dem großen Zeus gewidmet werden: Zeus, der Gott, der mächtiger als alle anderen Götter zusammen war. Auf Kreta im Verborgenen von der Mutter zur Welt gebracht, damit der eigene, um seine Macht fürchtende Vater Kronos, ihn nicht verschlingen konnte. Große Kriege wie die Titanomachie gegen den eigenen Vater und die Gigantomachie gegen seine – mal dunkle, mal leuchtende, mal stumme, mal beredte – Großmutter Gaia (die Mutter Erde) gewonnen. Das Ungeheuer Typhon, dessen Stirn die Sterne berührte, besiegt. Ein Weltenlenker, aus dem Chaos hervorgegangen, doch allmächtig, wenngleich ohne Dogmen, aber einer, der die Ordnung aufrechterhielt.

Ansicht der Olympischen Anlage um 1900


Auf seinem Sitz in Olympia wurde ihm zu Ehren etwa 475 v. Chr. ein Tempel erbaut, der zu den bedeutendsten Bauwerken der frühklassischen Architektur, und bei seiner Entstehung zu den größten Tempeln des seinerzeitigen Griechenlands zählte. Heute sieht man davon leider nur noch wenig, wenn man auch viel davon weiß. Ein wahres Freudenfest für Architekten, Archäologen, Geschichtsversessene und Kulturfanatiker – und schlicht Philhellenen.

Eingang zum Stadion von Olympia


Olympia wurde im Laufe der Jahrhunderte zudem Anziehungspunkt für den Sportsgeist. Diese Melange trieb auch unsere Enduro beim ersten Aufenthalt auf dem Peloponnes direkt zu diesem Heiligtum, ehrfürchtig, enthusiastisch und davon getrieben, auch einmal die 192 Meter lange Laufbahn entlang zu “rennen“, was angesichts unserer Motorradmontur bei 35 Grad genauso in Anführungsstriche gesetzt werden darf wie unsere Siegerpose angesichts der fehlenden Konkurrenten. Zumindest wurden wir Sieger über die Hitze und den Staub und freuen uns seitdem, dass auch wir hier in Olympia selbst einmal gestartet sind, hier am Austragungsort der Olympischen Spiele der Antike.

Das Stadion von Olympia


Verbunden wurde dieses Sport- und Kultereignis seinerzeit mit Weihebehandlungen und Wettstreit. Ihre Bedeutung war bereits damals immens: aus allen Teilen Griechenlands kamen Diplomaten, politische Vertreter und das normale Volk zusammen. Die Spiele waren politisches wie gesellschaftliches Forum und hatten einen hohen Stellenwert für die Wirtschaft. Neben den sportlichen Kämpfen fanden kulturelle Darbietungen statt wie Theater, Musik und Unterhaltung.
Doch zu den Spielen selbst: Zwar sehen wir stets die Abbildungen der gutgebauten Athleten, doch waren durchaus auch Frauen am Start. Für sie gab es dafür allerdings eigene, als Heraia bezeichnete Wettkämpfe, die der Göttin der Frauen, Hera gewidmet war. Und im Unterschied zu den Olympischen Spielen waren die Damen bei ihren Wettkämpfen bekleidet. Dass die durchtrainierten Herren – und Trainer – nackt antreten mussten, mag die als Zuschauer ebenfalls zugelassenen unverheirateten (!) Frauen ebenso in Verzückung versetzt haben wie die uns heutzutage noch erhaltenen Fresken und Büsten aus dieser Zeit.

Bis heute wird das Olympische Feuer im Hohlspiegel entfacht


Es war 1894 als auf Initiative des französischen Sportfunktionärs Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele der Neuzeit aufgenommen wurden. Eines sind die olympischen Spiele geblieben: ein Spektakel für das Volk, das Maß aller Dinge für Sportler – und ein, mal mehr mal weniger würdiges, politisches Schauspiel von immenser wirtschaftlicher Bedeutung.
Daher: Wir müssen nicht denken, der Mensch hätte sich geändert. Aber einmal nach Olympia zu reisen, dass sollten wir uns unbedingt vornehmen.

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