Eine echte technische Herausforderung war der Bau des Kanals von Korinth zwar nicht. Die Wasserstraße befindet sich durchgängig auf Meeresspiegelhöhe und erhält Wasser von beiden Seiten, so dass – wie sonst so häufig bei Kanälen – der Bau aufwendiger Schleusen nicht nötig war. Dennoch brauchte es einige Zeit, bis die Idee in die Tat umgesetzt wurde …

Der Blick in die Tiefe ist nur für Schwindelfreie…


Periander († 583 v. Chr.), Herrscher, gar Tyrann von Korinth, dem Härte und Weitsichtigkeit gleichermaßen nachgesagt und dem unter anderem der Spruch „Habe das Ganze im Sinn“ in den Mund gelegt wird, soll um 600 v. Chr. als Erster auf die Idee gekommen sein, die Landenge (Isthmus, vom altgriechischen „isthmós“), die den Saronischen Golf mit dem von Korinth verbindet, passierbar zu machen, um die rund 400 km weiten und besonders am südlichen Kap Malea durchaus gefährliche Route um die Peloponnes zu umgehen. Doch das technische Wissen fehlte. Stattdessen entstand der – seinerzeit durchaus einzigartige – Diolkos, ein Schiffkarrenweg, der nach dem Eisenbahnprinzip funktionierte: Auf langen, gepflasterten Trassen wurden die Frachtboote und Kriegsschiffe über den felsigen Höhenrücken gezogen. Deren Spuren sind bis heute am Westende des Kanals zu besichtigen (wobei hier die entdeckten Überreste kaum mit dem interessanten, geschichtlichen Wissen mithalten können oder anders gesagt: Sie werden nicht mehr als quadratische Steine im sonnengetrockneten Gras entdecken).
Ca. 500 Jahre später kam der römische Kaiser Nero und setze ein Jahr vor seinem Freitod im Jahr 68 n. Chr. höchstpersönlich den ersten Spatenstich. Einige hundert Meter Kalkstein waren bereits abgetragen, als Nero sich einen Dolch in die Kehle stach und damit das Projekt sich um weitere 1‘800 Jahre verzögerte.
Doch dann ging alles recht schnell: Dank Alfred Nobels Erfindung des „Sprengöls“ (Nitroglyzerin) und vor allem des Dynamits und angesichts einer sich im Kanalfieber befindlichen Welt (der lukrative Suezkanal war 1869 eröffnet und der Panamakanal im Bau), tat König Georg I von Griechenland im April 1882 schließlich den ersten – besser: zweiten! – feierlichen Spatenstich und elf Jahre später, am 06. August 1893, wurde die Einweihung der künstlichen Schlucht bejubelt. 2‘000 Arbeiter hatten dafür 12 Mio. m³ Erde und Gestein abtransportiert. Der von oben herab aussehende saubere 6 km lange Schnitt durch den Isthmus ist nicht breiter als 25 m, die das Projekt durchaus spektakulär aussehen lassenden, fast senkrechten Seitenwände sind dagegen über 80m hoch.

Istvan Tuerr
Istvan Tuerr


Die technische Leitung war den Ungarischen Ingenieuren Bela Gerster und István Türr anvertraut worden. Letzterer war auch Aufständischer und Politiker. Er hatte unter anderem als Hauptmann der Alpenjäger unter Giuseppe Garibaldi gegen die Österreicher für ein freies Italien gekämpft. Bis heute erinnert eine gepflegte und geputzte Gedenktafel an die beiden Ingenieure und ihre ungarischen Arbeiter.

Gedenktafel am Isthmus von Korinth
Gedenktafel am Isthmus von Korinth


Damals war die schnelle Passage zwischen Ost- und West-Griechenland, zwischen Adriahäfen und Athen oder auch zwischen Konstantinopel und Schwarzem Meer eine Sensation. Heute ist die Bedeutung des Isthmus’ aufgrund seiner Enge und der weniger gefährlichen Umfahrung der Peloponnes plus einer stärkeren Motorisierung der Schiffe kaum mehr von Bedeutung. Doch immerhin 11‘000 Schiffe durchqueren ihn noch jährlich – mit dem eigenen Boot ein ganz besonderes Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Imbiss Restaurant am Isthmus von Korinth
Imbiss Restaurant am Isthmus von Korinth


Viele Reisende machen den Fehler nur kurz anzuhalten oder gar nur einen schnellen Blick von der Brücke in die Tiefe zu werfen. Zugegeben, die beiden Imbiss Restaurants versuchen sich gegenseitig an Lieblosigkeit zu überbieten. Der Kaffee im Souvenirshop macht die Lage auch nicht besser. Aber es lohnt sich dennoch, einen Stop einzulegen. Wenn man Glück hat, fährt gerade ein größeres Schiff durch den Kanal, der Anblick ist bis heute spektakulär.


Oder es springt gerade jemand von der Bungy-Jumping Plattform an dünnen Gummiseil in die Tiefe. Wir zeigen hier das Video solch einer Wagemutigen.

Sie wollen selbst einen Sprung wagen? Hier ist die Website von Zulubungy: https://zulubungy.com

Und danach noch lange nicht zurück auf die Autobahn. Es lohnt sich den Hügel hinunterzufahren in das Dörfchen Isthmia. Nicht nur wegen der lecker aufkochenden Mama in der romantischen Taverne. Wenn ein Schiff kommt, fährt die Hebebrücke, über die sonst Autos, Esel, Fahrräder, Fußgänger, Ziegenherden und Hunde ans andere Ufer kommen, hinab ins Meer, lässt das Schiff passieren und kommt dann von gewaltigen Motoren getrieben wieder an die Oberfläche. Auch das haben wir hier im Video festgehalten.


Kurz gesagt: Man kann hier gut ein paar Stunden verbringen, bevor man sich aufmacht ins Antike Korinth um die wunderschöne Tempelanlage zu besichtigen.

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